Ein junger Mensch

 

Das Folgende steht stellvertretend für Viele, kann auch nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden:

Wo soll ich beginnen, um das verzweifelte Bemühen von Jugendlichen um Gesehen-Werden zu beschreiben?

Was lernt ein Kind von seiner Umwelt sehr bald und sehr eindrücklich? Was begeistert Erwachsene am meisten, sodass sie sogar interfamiliäre Wettstreits ausfechten?
Na??
Klar, Leistung in jeder Form, vom ersten Lächeln, über alle Ausdrucksmöglichkeiten, im Kindergarten, um dann in der Schule seine volle Blüte zu entfalten! Es fällt Erwachsenen offenbar wohl nicht leicht, Kinder so zu nehmen, wie sie sind, ohne – ausgesprochen oder nicht – eine (Leistungs-)Erwartung anzuknüpfen, mit der man sich schmücken, Nachbarn, Freunde… übertrumpfen kann.
Das klingt sehr böse, aber im Empfinden der jungen Menschen fühlt es sich häufig so böse an.
Sehr bald wird Leistung zum alles bestimmenden Faktor, alles Tun steht unter diesem Aspekt, an erster Stelle die Schule, aber bald auch Sport, Hobbies, ja sogar Freundschaften – alles wird lächelnd zur Qual.
Dabei macht das alles allmählich gar keinen Spaß mehr. Der Leistungsdruck ist zu einem Selbstläufer geworden!

Fördern und Fordern – wie leicht und doch so schwer!
Aber über allem sollte immer der junge Mensch in seinem So-Sein angenommen und akzeptiert, vielleicht manchmal auch nur respektiert werden!

Und dann sind da ja auch noch die Familien!  Wie wichtig für die seelische Gesundheit aller dieses System Familie ist, das zeigt sich, wenn es nicht funktioniert. Wenn z.B. ein Teil im System krank oder schlicht unbeweglich ist, erstarrt und festgefahren in Ansichten, Überzeugungen, eigenen erlernten oder angeeigneten Verhaltensweisen. Wenn der Graben immer größer wird zwischen den Familienmitgliedern, zu sprengen droht, was doch eigentlich er-/gehalten werden soll. Dann zeigt sich, wie sehr jeder, von Erziehung und eigenem Schicksal geprägt, versucht, das in seinen Augen beste zu tun, um den Erhalt des Status quo zu gewährleisten – ohne zu sehen, das Veränderung die Besserung bringt und nicht Stillstand.

Hier wie da immer den richtigen Weg zur richtigen Zeit zu wählen, auszuhalten, was nicht geht, Not und Verzweiflung zu tragen, Wege der sanften Veränderung zu finden… Therapeutenaufgabe, schön und belastend zugleich.

 

(Fs folgt)