. Viele, die hier lesen, kennen bestimmt Sätze, wie:
Man ist der eingebildet! – oder: – So ein arroganter Spinner – oder: – Der hat’s wohl nicht nötig, mit uns zu reden
Ist mein Freund Sherlock tatsächlich so…also ich meine: Ist er tatsächlich eingebildet? arrogant? ein Spinner? Oder übersehen wir etwas, oder urteilen wir, bevor wir verstehen?
Aber Sherlock ist doch nicht so etwas wie ein schwarzes Loch, das alles aufsaugt (damit man nichts mehr sieht!) und dafür neues „Material“ ausspuckt (dass dann keiner mehr versteht!)…
Vielleicht erinnert ihr euch an einen anderen Beitrag, der etwas von dem neurodivergenten Käfig erzählt hat? Und sitzt du alleine in einem Käfig, dann wirst du dich naturgemäß hauptsächlich mit dir selbst beschäftigen. Und sitzt du in einem Käfig allein, dann ist der Kontakt nach außen eher eingeschränkt, würde ich mal sagen. Und auch mit der Kommunikation ist es wohl nicht zum Besten bestellt:

Für alle Schlaumerker, die jetzt Luft holen: stellt euch nur kurz vor, ihr müsstet eine Pause lang mit einem Käfig über eurem Kopf auf dem Schulhof herumlaufen… Was glaubt ihr, wie oft ihr andere ansprechen oder euch zu einer Gruppe dazustellen würdet? Oder womöglich umgekehrt?
Wie gehen wir denn mit Menschen um, die eine andere Sprache sprechen? Lassen wir die auch stehen? – Denn… so lustig das auch klingen mag … der neurodivergente Sherlock und ein neurotypischer Mitschüler sprechen zwei unterschiedliche Sprachen. Nein, stimmt nicht, eher zwei Dialekte … etwa wie norddeutsch und bayrisch … reden ja auch beide deutsch … aber verstehen? … eher schwierig!
Es soll Menschen geben, die dann für einen Austausch des Programms, des „Betriebssystems“ – eher am Verhalten als am Denken orientiert – plädieren, dann werde schon alles gut. Aber hinter dieser Idee verbirgt sich „normale“ (neurotypische) Denkweise…
Typisch! – Bringt ihnen nur bei, wie Marionetten zu „tanzen“, die Regeln des „geordneten“ Soziallebens zu lernen.
Aber was, wenn nicht? Was, wenn Sherlock zwar Kontakt will, aber nicht unbedingt zu den neurotypischen Regeln der „normalen Gesellschaft“? Was, wenn sich sein Leben auf ganz anderen Bahnen und Ebenen bewegt, gesteuert von ganz anderen Interessen und Schwerpunkten? Ist er dann ein „Spinner“ wie etwa Alexander d. Gr., Einstein, Kafka, Che Guevara, Leonardo da Vinci oder andere? – Oh Pardon, die galten nur zu Lebzeiten als Spinner…
Aber mal ehrlich: ist anders zu denken, sein Gehirn und sein Leben anders zu strukturieren, seine Schwerpunkte außerhalb der Norm zu legen… Ist das so merkwürdig? Ist jemand deswegen komisch? Ich glaube daran, dass sich in Zukunft Vieles ändern wird. Auch wenn es jetzt vllt noch sehr utopisch erscheint, dass eines Tages die Menschen auf jemanden wie Sherlock schauen werden, und keine Krankheit oder Störung sehen werden, wird es genau so kommen. … und für all jene, die Sätze wie diesen belächeln und wohlwollend abtuen wollen, naja, seht euch an wer die grossen Köpfe der Vergangenheit waren…