Nicht gleich ⌿ ungleich ⌿ oder doch alle gleich?

Was für eine Frage? Ist sie nicht hinreichend in Art. 3 GG geklärt?

…und wieviel „gleich“ ist denn gleich? Und ist „ungleich“ vielleicht das neue gleich? Sind Sherlock und sein neurotypischer Sitznachbar in der Schule gleich? Muss/soll man sie gleich behandeln? Oder gibt es doch Unterschiede, also Unterschiede, die zu berücksichtigen sind!?

Was, wenn wir einfach mal sagen würden: alle Menschen sind ungleich, alle Menschen sind individuell in ihrer Persönlichkeit, ihrem Charakter, ihren Besonderheiten…
Daraus würde folgen… Logiker, die wir sind…, dass auch neurodiverse Menschen nicht gleich sind – und eben der vorerwähnte Sitznachbar nicht gleich ist mit Sherlock, und sie somit auch nicht gleich behandelt werden sollen/können.

Aber was bedeutet dabei gleich? Oder auch gleich behandelt werden? Wer oder was gibt den Maßstab dafür an – insbesondere im Schulalltag? Die gute Laune der Bezugsperson, persönliches Gefühl, pädagogisches Ermessen oder die Mitschüler?

Ein Satz aus einem Nachteilsausgleich für einen Schüler macht das Dilemma in vieler Hinsicht deutlich:
Kommunikative Einschränkungen können in pädagogischem Ermessen zurückhaltend bewertet werden.“

Ein schöner Satz, der auf den ersten Blick jedem jede Freiheit lässt.
Oder vielleicht doch nicht…?
können“ heißt in diesem Zusammenhang die Erlaubnis des Abweichens von geltenden Schulnormen, „zurückhaltend“ meint, dass die eingeschränkten Möglichkeiten des Schülers zu berücksichtigen sind, und wie stark – und nicht etwa, ob überhaupt – etwas berücksichtigt wird, liegt „in pädagogischem Ermessen“.
Also keineswegs alle gleich, und Abweichungen können und dürfen abweichend beurteilt und behandelt werden!

Eine Abweichung bezeichnet eine Regelwidrigkeit oder einen Antagonismus. Doch was ist, wenn ich behaupte, dass „Die Regel“ die „Anomalie“ ist und nicht die Eigenarten und Abweichungen selber? Wenn die alles gleich machende Regel längst überholt ist… Wenn Menschen gar nicht gleich sind, gar nicht gleich, sondern Individuen mit Eigenheiten, Stärken und Schwächen sein wollen?
Bei der ganzen Diskussion geht es nämlich um den Wunsch nach Akzeptanz, das „Gesehen-werden-wie-ich-bin“. Das Problem der Abgrenzung entsteht somit nicht aus aktiver Ablehnung der einen oder anderen Seite, aber aus einem passiven Unverständnis, einem „Aneinander-vorbei-reden“ beider Seiten. Es geht nämlich nicht darum, eine Seite zu anderem Denken oder Handeln zu bringen, das würde auch den Wunsch nach Akzeptanz des eigenen „Ich“ verfehlen. Es geht um „positive Devianz“, d.h. den Gedankens zu realisieren, dass Normabweichungen durchaus Fortschritt und Innovation ermöglichen können. Bestehende Theorien oder Regeln werden in Frage gestellt, um so eine Weiterentwicklung und/oder soziale Verbesserung zu erreichen.

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