Allein? Sein? Alleinsein? …

Die Nächte waren am schlimmsten. Wenn die Stille ihn umfing und das Echo seiner eigenen Gedanken lauter wurde als die Stimmen der Welt, fragte er sich: Warum bin ich so? Nicht mit Bedauern, sondern mit einer Art karger Neugier, als untersuche er ein fremdes Bewusstsein. Er begann, Muster zu erkennen – nicht nur in den Gleichungen, die er löste, sondern in sich selbst.

Er beobachtete die Menschen, wie sie lachten, flirteten, sich über Belangloses empörten. Anfangs irritierte ihn ihre Leichtigkeit, doch allmählich begriff er: Sie mussten nicht denken wie er. Sie durften anders sein. Und wenn sie das durften – warum dann nicht auch er?

Es war ein regnerischer Abend, als ihm die Erkenntnis kam, schwer und klar wie ein Stein, den er endlich aus dem Wasser gezogen hatte: Vielleicht geht es gar nicht darum, verstanden zu werden. Vielleicht geht es darum, sich selbst nicht mehr zu verleugnen.

Er will die Worte „normal“ und „anders“ aus seinem Vokabular streichen. Stattdessen es seine Art zu sein nennen, neurodivergent halt.. Und eines Tages, als ein Mitschüler ihn wieder mit skeptischem Blick fragt: „Warum machst du alles so kompliziert?“, zuckte Sherlock nur die Schultern. „Weil ich es kann.“

Die Ablehnung der anderen schmerzt noch. Aber er hat etwas gefunden, das niemand ihm nehmen kann: den eigenen Rhythmus. Die Gewissheit, dass sein Verstand kein Fluch ist, sondern einfach sein Zuhause.

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