Nur ein Kind…

Mohammed (Pseudonym) ist ein 10jähriger Junge mit einer schweren, seit seiner Geburt bestehenden, genetisch bedingten Hautkrankheit. Da er in seiner Heimat die Schule wegen dieser Krankheit nicht besuchen durfte und eine adäquate Behandlung nicht möglich war, kam die Familie (4 Personen) in einer langen beschwerlichen Reise nach Deutschland. M. besucht hier (eingeschränkt) die Schule.

Entsteht Druck auf die Haut/Schleimhäute bilden sich Blasen und die Haut löst sich ab. Fast sein ganzer Körper, besonders Arme, Beine, Rücken, ist verbunden, muss unter Schmerzen alle zwei Tage neu verbunden werden, weil sonst das rohe Fleisch offen liegen würde. M. erträgt das alles mit großer Geduld, er kann aufgrund der Krankheit all das, was ein 10jähriger gern tun würde, nicht machen: kein Fußball, kein Rumtollen, viele Spiele sind nicht möglich. Kleine Wege in der Wohnung oder in der Schule kann er zu Fuß zurücklegen, sonst ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Die größte Gefahr ist allerdings nicht die Krankheit selbst, sondern sind Sekundärinfektionen, denen ein derart geschwächter Körper nichts entgegensetzen kann.

Ich betreue M. und seine Familie psychotherapeutisch. Die Geduld des Jungen und der Mut und die Ausdauer der Eltern sind bewundernswert. Einmal wöchentlich treffen wir uns bei der Familie zu Hause für 1 – 1 1/2 Stunden.
Was kann man denn als Psychotherapeut da tun? Besserung wird’s doch eh nicht geben… Wir reden, trinken Tee mit Safran, überlegen Strategien (Versuche, den Jungen und die Familie zu stützen, Entlastung in einer verständlicherweise komplizierten Familiendynamik zu schaffen), spielen oder phantasieren über seine „Zukunft als Astronaut“ (er interessiert sich sehr für Astronomie/Weltraumforschung).
Ich gehe gern dorthin, die großen „mutigen“, schönen Augen des Jungen faszinieren mich jedes mal wieder. In kleinen Schritten wird etwas gelingen, wir werden sehen…

Seit 7 Monaten kennen wir uns jetzt, es entsteht immer mehr Vertrauen zwischen Mohammed und mir, unterstützt von Eltern und Schwester. Der kleine Astronaut möchte mit mir auf den Mars fliegen, vielleicht aber auch hier mit mir leben… Mit seinen großen Augen und einem Lächeln schaut er mich dabei an.

 

 

(Fs folgt)